1. Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?
Ungefähr mit sechzehn Jahren. Ich habe
Gedichte geschrieben, Tagebuch geführt und mich mit siebzehn an
Short Stories versucht. Den ersten Roman, der diesen Namen
verdient, habe ich mit 19 Jahren geschrieben. Das Manuskript hatte
immerhin seinen Umfang von über 250 Schreibmaschinenseiten. An
einen Verlag eingeschickt habe ich das Manuskript jedoch nicht. Ich
war selbstkritisch genug, um zu erkennen, daß es nicht gut genug
war, um veröffentlicht zu werden. Übrigens erhält jeder große
Verlag pro Jahr im Schnitt 5000 (!) unverlangt eingesandte
Manuskripte. In "glücklichen" Jahren ist vielleicht mal eins
darunter, das angenommen wird.
2. Wann haben Sie Ihre ersten Geschichten und Ihren ersten Roman verkauft?
Meine ersten Kurzgeschichten und Beiträge
habe ich mit 23 Jahren an Zeitungen und Magazine verkauft. Zwei
Jahre später wurde mein erstes Jugendbuch vom Franz Schneider
Verlag in München angenommen. Seit 1977 gehöre ich zu den ganz
wenigen Schriftstellern, die ausschließlich von den Tantiemen ihrer
im Buchhandel verkauften Bücher leben und dieses Glück haben nur
etwa 2% aller Autorinnen und Autoren! Alle anderen - also 98 von
100 ! - haben einen seriösen’ Brotberuf, mit dem sie ihren
Lebensunterhalt verdienen. Statistisch gesehen ist die Schreiberei
für die erdrückende Mehrheit eine wahrhaft brotlose Kunst’!
3. Wie wird man Schriftsteller?
Einen richtigen Ausbildungsgang, bzw.
Studium gibt es dafür nicht. Meiner Überzeugung nach muß man zuerst
einmal das Talent in sich haben, wofür man nichts kann. Das ist ein
Geschenk Gottes. Aber mit dem Talent verhält es sich so wie mit
einem Rohdiamanten: Ungeschliffen taugt er nichts. Wer also einen
Diamanten zum Funkeln bringen will, der muß Meister im Schleifen
sein, und diese Meisterschaft erlangt man nur nach vielen Jahren
harter Arbeit. So ist es auch mit dem Schreiben. Zuerst braucht man
das Talent - und dann das Handwerk, um daraus auch etwas zu machen,
was sich zu lesen lohnt. Das reine Handwerk des Schreibens kann man
lernen, wobei ein Studium von Germanistik und Literaturwissenschaft
sicherlich nützlich ist, auch eine Ausbildung als Journalist. Bevor
mein erster Roman veröffentlicht wurde, habe ich fast zehn Jahre
intensiv geschrieben und geübt (dazu Studium und Volontariat bei
einer großen Tageszeitung). Meine unveröffentlichen ‘Jugendwerke’,
die zum Teil noch hier im Archiv lagern, umfassen einige tausend
Seiten. Erfolg - wenn er denn überhaupt kommt, was nur wenigen
vergönnt ist! - setzt immer viel Arbeit, Disziplin und
Durchhaltevermögen voraus.
4. Reisen Sie immer an die Orte, wo Ihre Romane spielen?
Ja, bisher war ich mit meiner Frau stets
überall dort, wo meine Romane spielen. Wir reisen seit zwanzig
Jahren - oft sehr abenteuerlich bis riskant - um die Welt, immer
auf eigene Kosten und eigenes Risiko. Über einige dieser Reisen und
Abenteuer habe ich später Bücher geschrieben.
5. Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?
Zu meinen Romanindeen komme ich auf diesen
intensiven Reisen, aber auch bei der Lektüre von Sachbüchern - ich
lese sehr viel! - und natürlich bei unseren wochenlangen Recherchen
in Bibliotheken und Archiven. Manche Ideen reifen auch Jahre vor
sich hin, bevor ich das Projekt in Angriff nehme, was oft
aufwendige Reisen und Monate der Recherche verlangt.
6. Wie lange brauchen Sie für einen historischen Roman von 400-500 Seiten?
Nachdem ich die Reisen und Recherchen
beendet und mir Dutzende Seiten Notizen gemacht habe, beginne ich
den Roman chronologisch zu schreiben. Für diesen Teil der Arbeit
brauche ich je nach Umfang und Thema 5-7 Monate, bei bis zu 12
Arbeitsstunden pro Tag. Ich fange meist morgens um halb acht an,
schreibe bis in den Mittag, nach einer Pause mittags gehen wir
gewöhnlich ins Fitness-Studio - geht es am Nachmittag weiter.
Abends meist von 20-23 Uhr bereite ich die Szene für den nächsten
Morgen vor.
7. Für wen schreiben Sie?
Ich verstehe mich als ‘Familienautor’,
dessen Bücher von Jung und Alt gleichermaßen gelesen werden können,
wie auch die vielen Zuschriften von Jugendlichen wie Erwachsenen
beweisen.
8. Haben Sie so etwas wie eine Botschaft, die Sie in Ihren Büchern zum Ausdruck bringen wollen?
Ja. Da ich mein privates Leben auf die vier
Säulen Glaube, Hoffung, Liebe und Toleranz zu gründen versuche, ist
es mir ein großes Anliegen, dieses christliches Credo auch in
meinen Büchern zum Ausdruck zu bringen, sehe ich doch meine
Lebensaufgabe darin, das mir von Gott geschenkte Talent des
Schreibens in diesem Sinne einzusetzen, ohne dabei die Spannung und
genaue historische Recherche zu vernachlässigen. Es ist eine
schwere, oft schweißtreibende Gratwanderung, aber die viele
Zuschriften, die ich mittlerweile auch von immer mehr Erwachsenen
erhalte, bestätigen mich in meinen Bemühungen. Mein Ziel als
Schriftsteller ist es, Bücher zu schreiben, die sorgfältig
recherchiert und mitreißend in der Spannung geschrieben sind - und
die den Leser zudem in lebensbejahenden und befreiendem Sinn von
Glaube, Hoffnung, Liebe und Toleranz aufrütteln, die sich für die
Besinnung auf diese unersetzlichen Werte einsetzen - und vielleicht
zu ihnen hinführen.
9. Warum schreiben Sie fast nur historische Romane?
Weil ich die Erinnerung bewahren will, denn
alles, was wir sind, denken, träumen und wünschen, tun wir dank
unserer Erinnerung. Und wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die
Gegenwart nicht verstehen - geschweige denn die Zukunft erfolgreich
meistern. Das Wissen um die Vergangenheit gefähigt uns, eine
sinnvolle Brücke vom Gestern zum Heute zu schlagen und den
richtigen Weg zum Morgen zu wählen. Das blinde Fenster zum Gestern
aufzustoßen, sich in der Vergangenheit aufmerksam umzusehen und
darüber zu schreiben, damit dem Leser eine vielleicht ungeahnte und
vergessene Welt eröffnet wird und damit jene Zusammenhänge und
Ereignisse, die, obschon sie Jahrhunderte zurückliegen und
scheinbar ein abgeschlossenes Kapitel der Vergangenheit bilden,
dennoch in unsere Gegenwart hineinreichen, sie beeinflussen und
sogar auf die Zukunft einwirken, besonders wenn wir uns ihnen
gegenüber unwissend oder gar ignorant verhalten, das macht für mich
die Fazination historischer Romane aus - als Schriftsteller, aber
auch als Leser.
10. Haben Sie literarische Vorbilder, bzw. Schriftsteller, die Sie ganz besonders bewundern?
Es gibt zu viele hervoragende Autorinnen und
Autoren, von denen leider viele völlig unbekannt sind, die ich
bewundere, als daß ich sie alle nennen könnte. Aber Vorbilder in
dem Sinne, daß ich ihnen nacheifern würde, habe ich nicht. Jeder
Autor muß seine eigene Stimme finden, was mir, wie ich glaube, in
den letzten Jahren gelungen ist. Aber wer mein an Abenteuern nicht
eben armes Leben kennt, das mich unter anderem während der
Winterstürme über den Nordatlantik, durch die Sumpf- und
Mangrovenwildnis der Everglades, die afrikanischen Wüsten und
Savannen, den Dschungel von Amazonien, das australische Outback
sowie zu professionellen Schatztauchern in die Karibik und zu
Goldsuchern in die Berge der Sierra Nevada geführt und mich für
vier Jahre zu einem Hobby-Farmer in Virginia verführt hat, wer dies
kennt, wird verstehen, warum ich mich als Schriftsteller ‘Kollegen’
wie Jack London, Friedrich Gerstäcker oder Robert Louis Stevenson
näher fühle als einem Autor wie Karl May, der - bei aller
Bewunderung für sein Werk - seine Abenteuer nur an seinem
Schreibtisch schreibend erlebt hat.
11. Sie haben auch Romane unter dem Pseudonym Ashley Carrington veröffentlicht. Warum und was sind das für Romane?
1984 schrieb ich meinen ersten Ashley
Carrington-Roman für den Verlag Droemer Knaur. Da ich damals unter
seinem Namen Rainer M. Schröder schon als Kinderbuchautor bekannt
war, deshalb Irritationen im Buchhandel befürchtete und zudem auch
nicht wußte, ob ich überhaupt den langen epischen Atem für
500-700seitige, historische Gesellschaftsromane besaß, wählte ich
ein Pseudonym für meinen ersten Roman für ein ausschließlich
erwachsenes Publikum: den Nachnamen Carrington wählte ich aus
großer Zuneigung zu Missis Lucille Carrington, einer älteren
Südstaatenlady, die in jenen Jahren in Virginia für mich und meine
Frau zu einer zweiten, amerikanischen Mutter geworden war. Ashley,
der Vorname von Lucille Carringtons Enkelin, ist in den USA ein
ebenso männlicher wie weiblicher Vorname – wie Maria im
Deutschsprachigen. Somit war das Pseudonym für reine
Erwachsenenromane geboren. Der Name Ashley Carrington ist seit Ende
der 80er Jahre in meinem Paß eingetragen.) Gleich der erste
Carrington-Roman, ein umfangreiches Taschenbuch, wurde ein großer
Überraschungerfolg und erlebte viele Nachauflagen. Und ehe ich mich
versah, hatte ich eine neue Fangemeinde, für die ich fortan
regelmäßig neue Romane schrieb. Mit der Veröffentlichung des ersten
Hardcovers Fluss der Träume, der 1990 im Droemer Knaur Verlag
erschien, Hauptvorschlagsband eines Buchclubs wurde und als
Taschenbuch noch immer im Handel erhältlich ist, lüftete ich das
Pseudonym durch einen Auftritt in der TV-Talkshow Drei Nach Neun
sowie durch zahlreiche Presseberichte. Neun Jahre später wurde mein
Australien-Roman Unter dem Jacaranda-Baum die besondere
Auszeichnung zuteil, von der Bundeszentrale für politische Bildung
in der Broschüre "Das 20. Jahrhundert in 100 Romanen" (Stiftung
Lesen /Leseempfehlungen Nr. 112) zu den 100 lesenswerten Romane der
Weltliteratur des 20. Jahrhunderts gezählt zu werden.
12. Was verdient ein Schriftsteller überhaupt? Und wie hoch sind die Auflagen?
Wie schon in Frage 2 ausgeführt, können nur
ganz wenige Autorinnen und Autoren von den Tantiemen ihrer Bücher
leben. In der Regel erhält ein Autor von einem gebundenen Buch
8-10% des Ladenpreises, wobei vorher die Mehrwertsteuer
herausgerechnet wird. Wenn das Buch im Handel DM 36.- kostet,
beträgt das Honorar, also DM 3,38 vor Steuern. Von einem
Taschenbuch erhält der Autor 5-6%, das sind bei einem TB-Preis von
DM 12,- im Schnitt etwa 60-70 Pfennige. Die durchschnittliche
Auflage bei gebundenen Büchern liegt bei 3000–4000 Exemplaren, die
von Taschenbüchern bei 7000-8000. Kein Wunder also, daß nur ganz
wenige Autoren von ihren Buchverkäufen leben können.
13. Als der Schneider Verlag Ihr erstes Jugendbuch kaufte, haben Sie das Studium abgebrochen und sind mit 26 Jahren freier Schriftsteller geworden. Würden Sie das mit der heutigen Erfahrung wieder so machen?
Eigentlich fragen Sie ja: Was raten Sie
jemandem, der sich heute in einer ähnlichen Situation befindet wie
Sie damals vor dreißig Jahren? Und das ist
eine verdammt schwer zu beantwortende Frage, schon weil sich die Verhältnisse in der Buchbranche in den vergangenen Jahrzehnten erheblich
verändert haben.
Zur Zeit meines Anfangs als Berufsschriftsteller gab es mehr unabhängige Verlage als heute. Ich kenne fast alle Verlage, die heute unter dem Dach von
C. Bertelsmann/Random House firmieren, noch als eigenständige Häuser. Andererseits ist das natürlich auch keine Garantie gewesen, sein Manuskript
leicht verkaufen zu können. Man hofft immer, dass sich Qualität letztendlich durchsetzt. Aber als ob der steinige Weg zur Veröffentlichung nicht schon
bitter genug wäre für alle Nachwuchsautoren, kommt noch dazu, das nur zwei Prozent aller Autoren, die Bücher veröffentlichen, von ihren Tantiemen leben können – und die meisten von dieser "gesegneten Zwei-Prozent-Gruppe" auch nur gerade so über Hartz IV-Niveau. Achtundneunzig Prozent aller Autoren, die man in Bibliotheken und Buchhandlungen sieht, haben einen Brotberuf oder einen gutverdienenden (Ehe)Partner! Rein statistisch gesehen ist die Schriftstellerei eine Kunst, von der man nicht leben kann.
Jeder erfolgreiche Autor kennt die unzähligen Begegnungen mit gewissen Mitmenschen bei Lesungen oder auf Partys, die einem versichern, dass ihre
Lebensgeschichte der Stoff des wahren Bestsellers sei. Dass das, was sich bei anderen so leicht liest, zumeist das Ergebnis langer und harter Arbeit
ist, will den wenigsten in den Kopf. Viele überschätzen sich und würden schon daran scheitern, einen ordentlichen Heftroman zu schreiben. Denn
selbst ein solches Manuskript erfordert ein gewisses Maß an Können, was Handwerk, Plot und Ausdruck betrifft. In den 70er Jahren fehlten einem
großen Heftchenverlag im Kölner Raum, der Krimis, Western und Liebesromane veröffentlichte, Autoren. Er inserierte in der Verbandzeitschrift der
Journalisten. Mehrere Dutzend Journalisten meldeten sich auf die Anzeige hin beim Verlag, offenbar im Glauben, auf die Schnelle nebenbei ein paar
Tausender mit dem Verfassen von Heftromanen verdienen zu können. Das Erwachen dieser Journalisten war bitter. Wenn ich mich recht erinnere,
scheiterten alle bis auf zwei. Die überwiegende Mehrzahl hatte ihre Fähigkeiten überschätzt, einen 'primitiven' Western oder Krimi zu schreiben.
Apropos Selbstüberschätzung. Das ist ein gutes Stichwort, das mich der Beantwortung Ihrer Frage ein Stückchen näherbringt. Jeder Autor,
insbesondere ein junger, braucht Selbstüberschätzung. Denn wenn er nicht an sich selbst glaubt, wer soll es dann tun?
Aber diese Selbstüberschätzung darf meines Erachtens nicht materiell ausgerichtet sein im Sinne von: "Ich will und kann das schreiben und werde
so viel Kohle scheffeln wie XYZ!" Die Quelle muss ein inneres Brennen sein, das sich einfach nicht löschen lässt und das einen zum Schreiben bringt,
egal wie mies die Chancen stehen und egal, was das persönliche Umfeld einem an Knüppeln zwischen die Beine wirft. Wer in sich diese brennende
Leidenschaft nicht spürt, die ihn zu großen Opfern bereit macht, der sollte um Gottes Willen zuerst einen Beruf zum Broterwerb ergreifen und nebenbei
schreiben.
Meine Devise war immer und ist es heute noch: Nicht das Leben verträumen, sondern die Träume leben! Aber dazu gehört auch der unbeugsame Willen, zur Verwirklichung dieser Träume alles zu geben – und mit eiserner Disziplin hart zu arbeiten.
eine verdammt schwer zu beantwortende Frage, schon weil sich die Verhältnisse in der Buchbranche in den vergangenen Jahrzehnten erheblich
verändert haben.
Zur Zeit meines Anfangs als Berufsschriftsteller gab es mehr unabhängige Verlage als heute. Ich kenne fast alle Verlage, die heute unter dem Dach von
C. Bertelsmann/Random House firmieren, noch als eigenständige Häuser. Andererseits ist das natürlich auch keine Garantie gewesen, sein Manuskript
leicht verkaufen zu können. Man hofft immer, dass sich Qualität letztendlich durchsetzt. Aber als ob der steinige Weg zur Veröffentlichung nicht schon
bitter genug wäre für alle Nachwuchsautoren, kommt noch dazu, das nur zwei Prozent aller Autoren, die Bücher veröffentlichen, von ihren Tantiemen leben können – und die meisten von dieser "gesegneten Zwei-Prozent-Gruppe" auch nur gerade so über Hartz IV-Niveau. Achtundneunzig Prozent aller Autoren, die man in Bibliotheken und Buchhandlungen sieht, haben einen Brotberuf oder einen gutverdienenden (Ehe)Partner! Rein statistisch gesehen ist die Schriftstellerei eine Kunst, von der man nicht leben kann.
Jeder erfolgreiche Autor kennt die unzähligen Begegnungen mit gewissen Mitmenschen bei Lesungen oder auf Partys, die einem versichern, dass ihre
Lebensgeschichte der Stoff des wahren Bestsellers sei. Dass das, was sich bei anderen so leicht liest, zumeist das Ergebnis langer und harter Arbeit
ist, will den wenigsten in den Kopf. Viele überschätzen sich und würden schon daran scheitern, einen ordentlichen Heftroman zu schreiben. Denn
selbst ein solches Manuskript erfordert ein gewisses Maß an Können, was Handwerk, Plot und Ausdruck betrifft. In den 70er Jahren fehlten einem
großen Heftchenverlag im Kölner Raum, der Krimis, Western und Liebesromane veröffentlichte, Autoren. Er inserierte in der Verbandzeitschrift der
Journalisten. Mehrere Dutzend Journalisten meldeten sich auf die Anzeige hin beim Verlag, offenbar im Glauben, auf die Schnelle nebenbei ein paar
Tausender mit dem Verfassen von Heftromanen verdienen zu können. Das Erwachen dieser Journalisten war bitter. Wenn ich mich recht erinnere,
scheiterten alle bis auf zwei. Die überwiegende Mehrzahl hatte ihre Fähigkeiten überschätzt, einen 'primitiven' Western oder Krimi zu schreiben.
Apropos Selbstüberschätzung. Das ist ein gutes Stichwort, das mich der Beantwortung Ihrer Frage ein Stückchen näherbringt. Jeder Autor,
insbesondere ein junger, braucht Selbstüberschätzung. Denn wenn er nicht an sich selbst glaubt, wer soll es dann tun?
Aber diese Selbstüberschätzung darf meines Erachtens nicht materiell ausgerichtet sein im Sinne von: "Ich will und kann das schreiben und werde
so viel Kohle scheffeln wie XYZ!" Die Quelle muss ein inneres Brennen sein, das sich einfach nicht löschen lässt und das einen zum Schreiben bringt,
egal wie mies die Chancen stehen und egal, was das persönliche Umfeld einem an Knüppeln zwischen die Beine wirft. Wer in sich diese brennende
Leidenschaft nicht spürt, die ihn zu großen Opfern bereit macht, der sollte um Gottes Willen zuerst einen Beruf zum Broterwerb ergreifen und nebenbei
schreiben.
Meine Devise war immer und ist es heute noch: Nicht das Leben verträumen, sondern die Träume leben! Aber dazu gehört auch der unbeugsame Willen, zur Verwirklichung dieser Träume alles zu geben – und mit eiserner Disziplin hart zu arbeiten.
14. Sie haben 48 Bücher geschrieben, sechs Millionen Exemplare wurden verkauft. Damit zählen Sie zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Wie schaffen Sie es, so fleißig zu sein?
Die Fantasie und Kreativität eines Menschen
ist für einen fröhlich bekennenden Christen wie mich ein Geschenk
Gottes. Dafür kann ich nichts. Aber das Talent ist nur der
Rohdiamant, der erst noch geschliffen werden muss. Es ist der
Ausgangspunkt einer möglichen Karriere und hat bestenfalls
fünf Prozent Anteil am Erfolg. Fünfundneunzig Prozent sind
Disziplin und harte Arbeit. Das Handwerk will gelernt sein und
eingeübt sein.
In den ersten 15 Jahren meines Lebens als Berufsschriftsteller habe ich fast durchgängig täglich 10-12 Stunden geschrieben. Das tue ich auch heute noch, etwa wenn ich mich ins Kloster Himmerod zum Marathonschreiben zurückziehe, um einen Roman zu beenden. Eiserne Arbeitsdisziplin und Ausdauer waren entscheidend für meinen Erfolg – und für den von vielen anderen Autoren, insbesondere von denen, die sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg gegen die Konkurrenz behaupten. Aber ohne ein Feuer der Leidenschaft ist die Disziplin auf Dauer nicht aufzubringen und durchzuhalten.
In den ersten 15 Jahren meines Lebens als Berufsschriftsteller habe ich fast durchgängig täglich 10-12 Stunden geschrieben. Das tue ich auch heute noch, etwa wenn ich mich ins Kloster Himmerod zum Marathonschreiben zurückziehe, um einen Roman zu beenden. Eiserne Arbeitsdisziplin und Ausdauer waren entscheidend für meinen Erfolg – und für den von vielen anderen Autoren, insbesondere von denen, die sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg gegen die Konkurrenz behaupten. Aber ohne ein Feuer der Leidenschaft ist die Disziplin auf Dauer nicht aufzubringen und durchzuhalten.
15. Gehen Ihnen neue Romane inzwischen leichter von der Hand, weil Sie genug Selbstvertrauen und handwerkliche Kenntnisse gewonnen haben?
Ob mir das Schreiben leichter von der Hand
geht? O Gott, nein! Ganz Im Gegenteil! In den Jugendjahren meines
Schriftstellerlebens war ich herrlich ignorant gegenüber meinen
vielen handwerklichen Schwächen. Ich glaubte, der Größte zu sein
und alles zu können! Diese Hybris ist längst verflogen. Je älter
ich werde und je schwerer die Aufgaben werden, an die mich wage,
desto stärker werden meine Selbstzweifel. Vor jedem neuen Roman
quält mich die Angst, der Herausforderung diesmal nicht gewachsen
zu sein und kläglich zu scheitern. Die Zweifel verlassen mich auch
beim Schreiben nicht. Voller Bangen erwarte ich das Urteil meiner
Cheflektorin, pendele zwischen Jauchzen und
Niedergeschlagenheit.
Ich schreibe viel langsamer als früher, weil ich selten mit dem zufrieden bin, was da auf dem Bildschirm steht. Inzwischen begreife ich, was Schreiben sein kann, wie genial andere formulieren und wie groß oft noch die Kluft zwischen dem ist, was ich im Kopf an Bildern und Stimmungen habe, und dem, was letztlich schriftlich herauskommt. Jede Leidenschaft bringt dem, der sich ihr hingibt, eine Menge Leiden. Früher waren es für mich die rein physischen Leiden des Schreibens, also, die Disziplin nicht schleifen zu lassen und monatelang Tag für Tag 10-12 Stunden zu arbeiten. In den letzten Jahren hat sich dazu das psychologische Leiden aus Selbstkritik und Selbstzweifeln gesellt. Damit muss man zu leben lernen. Solange man merkt, dass man immer ein bisschen besser wird, lohnt es sich, sich diesem doppelten persönlichen Druck aussetzen. Von dem Druck, den man als erfolgreicher Autor von Verlag und Buchhandel erfährt, will ich erst besser gar nicht anfangen.
Ich schreibe viel langsamer als früher, weil ich selten mit dem zufrieden bin, was da auf dem Bildschirm steht. Inzwischen begreife ich, was Schreiben sein kann, wie genial andere formulieren und wie groß oft noch die Kluft zwischen dem ist, was ich im Kopf an Bildern und Stimmungen habe, und dem, was letztlich schriftlich herauskommt. Jede Leidenschaft bringt dem, der sich ihr hingibt, eine Menge Leiden. Früher waren es für mich die rein physischen Leiden des Schreibens, also, die Disziplin nicht schleifen zu lassen und monatelang Tag für Tag 10-12 Stunden zu arbeiten. In den letzten Jahren hat sich dazu das psychologische Leiden aus Selbstkritik und Selbstzweifeln gesellt. Damit muss man zu leben lernen. Solange man merkt, dass man immer ein bisschen besser wird, lohnt es sich, sich diesem doppelten persönlichen Druck aussetzen. Von dem Druck, den man als erfolgreicher Autor von Verlag und Buchhandel erfährt, will ich erst besser gar nicht anfangen.